Von Elizabeth Scheider und Matthias Berlinke
Bremerhaven. Für 59 Prozent der Deutschen gehört zu einem gelungenen Wochenende auch Sex. Das ergab im vergangenen Monat eine repräsentative Umfrage des Emnid-Instituts. 79 Prozent der 40- bis 49-Jährigen hielten Sex am Wochenende gar für unverzichtbar. Und auch im Erotik-Fachgeschäft Orion in Wulsdorf herrscht am Wochenende Hochbetrieb. Das Sonntagsjournal war dem Liebesleben der Bremerhavener auf der Spur. Potenzielle Weihnachtsgeschenke entdeckte das SJ-Team dabei in Hülle und Fülle.
Dildos in sämtlichen Farben und Größen präsentieren sich hoch aufgereckt, Dessous, Gleitgel mit Erdbeergeschmack und Strings in Dosen versetzen den Besucher aus den kalten grauen Novemberalltag in eine andere weitaus angenehmere Umgebung. In die heiße Welt der Erotikartikel. Wer hier durch die Milchglastür schreitet, will sich verführen lassen.
Ob Fessel-Set mit Augenbinde, Hightech-Vibratoren mit Fernbedienung, DVDs, Bücher oder das zehnteilige Set „Badelust“ für besinnliche Stunden zu zweit. Egal wie die Geschenkeauswahl für den Liebsten ausfällt, auf eins kann der Kunde sich verlassen: Wenn er nicht selbst plaudert, wird kein Mensch erfahren, wo seine Vorlieben liegen, denn hier herrscht größte Diskretion. Schweigepflicht steht im Erotik-Fachgeschäft Orion an oberster Stelle.
Kunden von 18 bis 80 Jahren finden den Weg zum übersichtlichen Franchise-Unternehmen am Bohmsiel, darunter auch immer mehr Frauen. Der Verkaufsraum ist hell und freundlich, lädt durchaus zum Stöbern und Verweilen ein. Seit anderthalb Jahren sind die Türen geöffnet. „Anlaufschwierigkeiten gab es nicht. „Wir hatten einen extrem guten Zulauf vom ersten Tag an“, sagt Betreiberin Brigitte Detke.
Frauen kommen meist das erste Mal zu zweit oder in Gruppen. „Da wird unheimlich viel geguckt und gekichert“, erzählt Verkäuferin Silvia Troike. „Aber zum Kaufen kommt das weibliche Geschlecht lieber alleine wieder zurück.“
Dabei sind die Kundinnen durchaus preisbewusst, achten aber – wie bei allen anderen Kaufentscheidungen – auf Qualität. Ein günstiger Vibrator beispielsweise ist viel lauter als einer, der ein bisschen teurer ist. „Da lohnt es sich, ein wenig mehr Geld auszugeben“, weiß die 55-Jährige.
Auch im Erotik-Geschäft gibt es Trends. Diesen Monat gehören unter anderem Schaum- und Gleitgels sowie Schoko- und Erdbeerstifte zum Abschlecken vom Körper des Partners dazu.
Einige Artikel könnten die Blümchen-Sex-Anhänger sicherlich zum Staunen bringen. Wie etwa riesige Dildos oder Sex-Hängematten und Liebesschaukeln, die relativ wuchtig sind. Auf die Frage, wo man so etwas hinstellt, weiß Troike gleich die passende Antwort. „Wenn ein großer geschützter Garten vorhanden ist, auch im Freien.“
Viele Kunden haben sich vorher im Internet oder im Katalog eingehend informiert, steuern gleich zielstrebig den gewünschten Artikel an. Gerade in der Fetisch-Ecke mit viel Lack, Leder und Domina-Zubehör wollen die Besucher in Ruhe gelassen werden. „Dafür bekommt man mit der Zeit ein Gespür“, sagt Troike.
„Das Spiel zu dritt“, nennen die beiden Verkäuferinnen die Vorliebe für Sexspielzeug. Und da Männer doch reine „Augenmenschen“ seien, empfehlen sie kauflustigen Frauen sich gleich selbst als Geschenk für den Liebsten zu verpacken, einen erotischen optischen Reiz zu bieten. „Ein tolles Dessous mit den passenden Strümpfen verfehlt eigentlich nie die gewünschte Wirkung“, sind sie sich sicher.
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Vorsicht beim Dildokauf - Interessante Weihnachtsgeschenke aus der Erotikbranche
Bremerhaven. Wenn Männer ein Weihnachtsgeschenk für ihre Frauen suchen, dann rennen sie oft ohne Peilung durch die Gegend. Soll‘s wieder ein Parfüm sein, vielleicht ein Kettchen oder für die Einfallslosen ein Einkaufs-Gutschein? Nix da, Schluss mit der Langeweile. Weihnachten ist das Fest der Liebe. Also, Ihr Herren der Schöpfung, tut was für die Liebe. Ab geht‘s in das Erotik-Fachgeschäft.Wie gut, dass es Katja Fehrmann gibt. Die Loxstedterin arbeitet als Fachverkäuferin bei Orion in Bohmsiel. Man(n) braucht keinen roten Kopf zu bekommen. Die sympathische, immer aufgeschlossene Expertin gibt gerne Ratschläge. Sie weiß, was Frauen mögen. „Ich selbst würde mich sehr freuen, wenn ich zu Weihnachten Unterwäsche geschenkt bekäme“, sagt Katja Fehrmann. „Da haben wir wirklich tolle Sachen. Zum Glück sitze ich hier im Geschäft an der Quelle.“ Straps-Sets, String-Tangas oder das Rosen-Negligé – die Auswahl ist heiß, macht heiß. Das Problem: Die wenigsten Männer haben die Konfektionsgrößen ihrer Partnerin im Kopf – eine böse Falle. Zumindest die Busengröße sollten die Herren in etwa mit ihren Händen darstellen können. Somit haben die Erotik-Spezialisten einen Anhaltspunkt. „Gleitmittel und Massageöle werden auch gerne genommen“, sagt die Fachverkäuferin. „Oder aber die anspruchsvolleren Erotik-Spielfilme, die auch für Damen geeignet sind.“Wer eher auf Handwerkszeug steht, ist bei den Dildos und Vibratoren bestens aufgehoben. Aber Vorsicht: Wer seine Göttergattin mit derartigem Spielzeug verwöhnen will, sollte sicher sein, dass er nicht ins Fettnäpfchen tritt. Denn nicht jede Frau ist begeistert von derartigen Hilfsmitteln. „Das Spiel mit einem Vibrator ist eine erotische Fantasie“, sagt Bernd Detke, Ehemann der Orion-Betreiberin Brigitte Detke. „Männer sollten das Gerät nicht als Konkurrenz zu sich selbst sehen. Der Partner fällt ja beim Liebesspiel nicht weg.“ Generell aber gilt: Wer einen Luststab für seine Liebste kaufen möchte, sollte im Vorfeld das Gespräch mit ihr suchen – das schützt vor bösen Überraschungen und Zoff. „Es gibt Frauen, die das nicht witzig finden“, sagt Detke. „Folgende Reaktion kann vorkommen: Was soll ich mit diesem toten Teil? Komm mir bloß damit nicht.“