Bremerhaven. Craig Streu kann so schnell niemand etwas vormachen. Der Kanadier, der von seinen Kumpels liebevoll „Professor“ gerufen wird, kennt sich in der Szene bestens aus. Von 1999 bis 2003 und von 2004 bis 2008 war der filigrane Stürmer für die Fischtown Pinguins und den EHC Neuwied in der Zweiten Bundesliga.
Streu, der einen deutschen Pass besitzt und unter Hans Zach sieben Länderspiele bestritt, hat seine Schlittschuhe an den Nagel gehängt und öffnet nun als Trainer in Bremerhaven ein neues Kapitel in seiner Eishockey-Karriere. Für die Eishockey-News machte der 40-Jährige einen Rundgang der besonderen Art und begutachtete die Eisstadien in der Zweiten Liga. Streu weiß am besten, wo die Kabinen am gemütlichsten sind und die Stimmung am besten ist.
„Nichts geht über Bremerhaven. Unser Stadion am Wilhelm-Kaisen-Platz ist das absolute Highligt“, sagt Streu und beginnt zu lachen. „Nein, natürlich weiß ich, dass die Kabinen, Duschen und Toiletten für die Gastmannschaften peinlich sind. Aber in unserer kleinen Fischdose herrscht eine besondere Atmosphäre. Die kommt gerade bei den Jungs gut an, die frisch aus Nordamerika kommen.“ In Bremerhaven gibt es erst seit vier Jahren eine Plexiglasumrandung. Vorher hingen rund um die Spielfläche Netze. „Schade, dass es die nicht mehr gibt. Da konnten unsere Fans immer durchgreifen und mitmischen“, witzelt Streu. „Die Atmosphäre in Bremerhaven kann man nicht beschreiben, die muss man erlebt haben.“
Nach Meinung des ehemaligen Pinguins-Kapitäns befindet sich die beste Arena der Zweiten Bundesliga in Ravensburg. „Keine Frage, da ist alles top“, sagt Streu. „Da kann man schon mal die lange Anfahrt in Kauf nehmen.“ In der Heimspielstätte der Tower Stars seien die Kabinen perfekt, auch Eis und Bande verdienten Bestnoten. „Nicht vergessen darf man das Stadionrestaurant“, berichtet Streu. „Dort gibt‘s viele nette Leute – und es schmeckt.“
Der neue Coach der Bremerhavener könnte sein Geld auch sehr gut als Gourmetkritiker verdienen. „Wo wir schon bei Stadiongaststätten sind – die in Bad Tölz ist auch super“, sagt der gelernte Mittelstürmer. „Bei den Oberbayern bin ich immer gerne, generell fühlst du dich als Gast dort wohl. Die Halle in Tölz ist super – vor allem, wenn die Wiederholungen unserer Tore auf der Videowand zu sehen sind. Da darf man sich nicht ablenken lassen.“
Streu hat viele lobende Worte für die Hallen in der Zweiten Liga über. Aber er findet auch kritische Worte. Zum Beispiel über die Franz-Siegel-Halle in Freiburg. „Es steht einem Offiziellen aus Bremerhaven eigentlich nicht zu, sich über zu kleine Kabinen zu beschweren. Aber die Umkleiden in Freiburg könnten schon größer sein“, sagt Streu. Ein weiteres Problem stellten die Lichtverhältnisse dar. Auf dem Spielfeld sei es zu dunkel. „Einmal mussten wir in der 50. Minute ein zusätzliches Mal die Seiten wechseln, weil über einem Tor die Lampen ausfielen und es ungerechte Bedingungen gab“, so der Pinguins-Trainer.
Überraschend schlecht kommt die neue Lavatec-Arena in Heilbronn in der Beurteilung des Kanadiers weg. Die Mannschaftsbänke seien zwar top und befänden sich in direkter Nähe zur Kabine, dafür aber gebe es Probleme mit den Temperaturen. „In der Arena ist es einfach zu warm. Dadurch wird das Eis weich. Schade“, meint Streu.
Das beste Eis der Liga gibt es nach Meinung des Pinguins-Trainers übrigens in Crimmitschau. „Das ist dort wahnsinnig schnell“, sagt Streu. „Und auch die Banden lassen sich sehr schnell spielen.“ Die Bremerhavener Eishockey-Legende liebt den Sahnpark. „Coole Stimmung“, meint der 40-Jährige. „Ich habe schon in Crimmitschau gespielt, als es dort noch kein Dach gab. Ich kann mich erinnern, dass im Sahnpark öfter mal ein Typ mit Maske das Plexiglas hochgeklettert ist, um Stimmung zu machen. Es fliegen auch Gegenstände aufs Eis, aber irgendwie gehört das dazu. Es macht Spaß, dort zu spielen.“
Der Trainer der Bremerhavener schaut weiter in den Osten. In Weißwasser wäre der „Professor“ vor einigen Jahren beinahe als Spieler gelandet. Vom Eishockey in der Lausitz hat Streu immer noch eine hohe Meinung. „Weißwasser ist eine klassische Eishockeystadt, die niemals von der Landkarte verschwinden darf“, sagt Streu. „Dort herrscht immer eine gute Stimmung. Die Kabinen im Fuchsbau sind vorbildlich. Nur der Weg zum Eis ist sehr, sehr weit – gefühlte zweieinhalb Kilometer.“
Streus weitere Beurteilungen im Überblick:
Freiberger-Arena in Dresden: „Das ist die einzige Arena in der Zweiten Liga, in der ich noch nicht aktiv war. Im vergangenen Jahr machten wir dort ein Testspiel, aber ich war verletzt. Die Halle soll aber schön sein, auch wenn es damals wohl Probleme mit Nebel gab. In der alten Halle war es bitterkalt, und die Netze hinter den Toren waren blöd.
Stadion am Gutenbergweg in Landshut: „Dort geht die Post ab. Die Fans dort dürfen sich über eine tolle Atmosphäre freuen. Die Kabinen sind top, an der Spielfläche gibt s nichts auszusetzen. Halt, eine Ausnahme: Die Stufe von der Mannschaftsbank hin zum Eis ist extrem hoch, da musst du aufpassen, dass du nicht stolperst und dir eine Zerrung einfängst.“
Bauchenbergstadion in Schwenningen: „Hier meint man, dass die Fans ganz eng hinter dem Spielfeld stehen. Geniale Stimmung. Ich bin froh, dass die Halle nun geschlossen wird, denn im Winter war es dort ziemlich kalt. Bei einem Gastspiel im Winter sind uns mal auf der Bank die Getränkeflaschen eingefroren – kein Scherz.“
Ellental in Bietigheim-Bissingen: „Hier sind die Fans auch eng mit dabei. Schön ist, dass man von der Kabine direkt aufs Eis kommt. Das ist optimal gelöst.
Olympia-Eisstadion in München: „In München gibt es mit Abstand das beste Plexiglas der Liga. Es lässt sich dort sehr gut spielen. Es gibt nichts zu meckern.“
Olympia-Eisstadion in Garmisch-Partenkirchen: „Keine Frage, im Oberland gibt‘s die geräumigsten Kabinen der Zweiten Liga. Eis, Bande, Plexiglas – alles in Ordnung. Hier macht das Spielen riesigen Spaß. Der einzige Nachteil: Die Halle ist ziemlich groß, und das ist nicht gut für die Stimmung, wenn es nicht voll ist.“
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