Ein warmer Platz im Moonliner - Unterwegs mit dem Nachtbus in Bremerhaven

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Von Matthias Berlinke

Bremerhaven. Frost liegt über Wulsdorf. Wie ein eisiges Tuch schleicht der bitterkalte Nebel durch die Straßen und lässt einen weißen Schleier auf Bäumen und Autos zurück. Irgendwo am grimmig wirkenden Nachthimmel schnattern Wildgänse. Es ist ungemütlich hier draußen. Nur hartgesottene Typen trauen sich um 1.31 Uhr zur Bushaltestelle in der Poggenbruchstraße. Sie warten auf den Moonliner.

So wie der junge, kräftig gebaute Kerl mit der Kapuze auf dem Kopf. Scheint eine harte Feier hinter sich zu haben, der Gute. Er ist müde, trägt den Kopf gesenkt, die Pupillen schimmern eher schmal. Einmal noch grunzend die Nase hochziehen und aufs Straßenpflaster spucken – mehr Zeit bleibt nicht, der Bus kommt, jetzt schnell rein in die warme, rollende Hütte zu Waldemar Felker. Der hat immer einen Platz frei – und pünktlich ist er auch.

Felker arbeitet als Busfahrer für Bremerhaven Bus. Heute ist die Nachtlinie dran, Dienstbeginn 0.34 Uhr. Der Mann mit dem gemütlichen Lächeln steuert den Moonliner durch die Stadt. Am Flötenkiel geht‘s los, ab durch die Alte Bürger und City nach Wulsdorf, zurück über Reinkenheide und Hauptbahnhof in die Alte Bürger, danach bis in den tiefen Norden nach Leherheide und Langen. Und dann geht die Tour wieder von vorne los.

In Wulsdorf ist der Bus 0323 ziemlich leer, und der Kapuzenmann bleibt auch nicht lange. In Surheide steigt er aus und verschwindet in der Kälte. „Ich fahre den Moonliner gerne“, sagt Felker. „Die Fahrgäste sind friedlich und gut drauf, wenn sie von einer Party kommen. Und auf der Straße ist weniger Verkehr als tagsüber. Es lässt sich entspannter fahren.

Felker liebt seinen Job, man glaubt ihm am Lächeln ablesen zu können, dass er das Lenkrad mit Leidenschaft anpackt und gerne ein nettes Wort mit seinen Fahrgästen wechselt. Nichts wirkt aufgesetzt. „Was kann es Schöneres geben, als mit der Freundin oder dem Freund im Arm mit mir nach Hause zu fahren? Kostet nicht so viel wie ein Taxi, und warm ist es auch“, sagt Felker. Dann beginnt er zu lachen. „Gleich sind wir in der Alten Bürger. Da wird der Bus voll, und die schönen Frauen steigen ein.“

Felker, der seit 14 Jahren für die VGB auf dem Bock sitzt und 1991 aus Kasachstan übersiedelte, scheint hellseherische Fähigkeiten zu besitzen. An der Haltestelle „Schleusenstraße“ stehen tatsächlich viele Menschen, so um die 40 dürften es sein. Gruftis sind dabei, „Stinos“ – also Stinknormale – auch und natürlich schöne Frauen. Einige Passagiere müffeln nach Pommesfett, andere nach Bier, noch wieder andere haben Probleme, ihren zerknitterten Fahrschein unfallfrei in den Entwerterschlitz zu schieben. Aber gute Laune vereint sie, die haben sie nämlich alle.Nicht so toll scheint die Stimmung draußen auf der Rickmersstraße zu sein. Felkers Blick wandert nach links durch die Seitenscheibe. Drei halbstarke Männer und eine sexy gekleidete Frau springen vor einer Kneipe aus einem Auto heraus und teilen Prügel aus – wie von der Tarantel gestochen. Opfer ist ein junger Mann. „Um die wird sich gleich die Polizei kümmern“, meint der Busfahrer und setzt seine Tour fort.

Sitzplätze gibt es in 0323 keine freien mehr. Bis nach Leherheide ist ordentlich Betrieb, danach wird‘s leerer. Leer wird‘s auch im Tank. Plötzlich blinkt es bei Felker im Armaturenbrett. Kein Kühlwasser mehr. Der Familienvater aus Leherheide weiß sich schnell zu helfen. Am Buswendeplatz Heinrich-Plett-Straße wird getankt. „Hat nur ein Liter reingepasst. Merkwürdig, warum das schon am Blinken war“, stutzt Felker. Vier Minuten Verspätung kostet der ungewollte Boxenstopp. Aber die holt der Busfahrer locker wieder rein. Um 3.31 Uhr steht er wieder in der Poggenbruchstraße.

1 Antwort zu “Ein warmer Platz im Moonliner - Unterwegs mit dem Nachtbus in Bremerhaven”


  1. 1 D. Juni 28, 2008 um 12:49 Uhr vormittags

    sowas war damals noch die woechentliche routine, mit dem bus ins bahamas, wenn wir ihn verpasst haben, sind wir sogar nach hause gelaufen, ganz bis nach lehe durch den schwarzen weg! wer haette gedacht, dass ich je 32 werde ***G*** Gruss, Dani

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