Interview mit Craig Streu – Die Zeit nach Igor Pavlov

logo_rev.jpgTurbulent ging es in der vergangenen Woche bei den Fischtown Pinguins zu. Nach der 2:4-Niederlage in Weißwasser musste Coach Igor Pavlov seinen Hut nehmen. Als Interimslösung für den Trainerposten zauberte das Management überraschend Torhüter-Urgestein Dieter Blum aus dem Hut. Gleichzeitig drohte Manager Hans-Werner Busch, möglicherweise auch einzelne Spieler vor die Tür zu setzen, sollten Erfolge ausbleiben. Es weht eine steife Brise an der Nordseeküste. Fans und Insider warten nun ungeduldig auf die Präsentation des neuen Cheftrainers. Die EH-News analysierte die momentane Lage mit Pinguins-Kapitän Craig Streu.

EH-News: Hohe Erwartungen, die nicht erfüllt wurden, ein Trainer – Jamie Bartman – der gehen musste. Das war in der Saison 2002/2003. Die Situation jetzt ähnelt der damaligen gewaltig. Sie, Herr Streu, können sich bestimmt noch gut erinnern.
Craig Streu: Ja, da sind Parallelen zu erkennen, ganz deutlich sogar. Man kann sogar von einem Spiegelbild sprechen. Es war ein harter Schlag für uns, dass Igor gehen musste. Damit hatten wir eigentlich nicht gerechnet. Ich glaube, dass es sich das Management nicht leicht gemacht hat mit der Entscheidung. Nun sind wir Spieler gefragt, damit sich der Abstiegskampf von vor vier Jahren nicht wiederholt.

EH-News: War es notwendig, Igor Pavlov zu beurlauben oder hätten Sie auch mit ihm den Weg aus der Krise gefunden?
Craig Streu: Ich glaube, dass wir auch mit ihm den Weg heraus aus der Krise gefunden hätten. Aber die Entscheidung, Igor zu beurlauben, lag nicht in meinen Händen. Zum Glück haben wir das erste Spiel gegen Landsberg gleich gewonnen. Das war für das Team nach diesen unruhigen Tagen unheimlich wichtig.

EH-News: Was kann man Igor Pavlov eigentlich vorwerfen?
Craig Streu: Nichts, so schlimm das klingen mag. Er war in den zweieinhalb Jahren als Cheftrainer immer gut vorbereitet und hat professionell gearbeitet. Aber der Erfolg war zuletzt einfach nicht da. Das ist das Unberechenbare im Sport. So etwas passiert auch bei anderen Klubs. In dieser Saison hat es uns erwischt.

EH-News: Die Mannschaft trat zuletzt ohne Selbstbewusstsein auf. Lag das an der herben Kritik, die Pavlov immer wieder öffentlich an seinen Spielern geäußert hat?
Craig Streu: So eine Krise, wie wir sie gerade erleben, gibt es in jeder Saison. Nur hat es uns vom Zeitpunkt her betrachtet jetzt früher als sonst erwischt. Dass darunter auch das Selbstbewusstsein leidet, ist doch logisch.

EH-News: Nun ist Pavlov weg. Welches Anforderungsprofil stellen Sie an den Nachfolger?
Craig Streu: Erst einmal haben wir als Spieler keine Forderungen zu stellen. Es ist nicht unsere Aufgabe, den Nachfolger zu suchen. Aber: Der Trainer muss sich auf uns einlassen können und mit uns arbeiten wollen. Er sollte jemand sein, der das Gespräch, den Dialog, mit uns sucht.

EH-News:  Die Dinge, die Sie gerade aufgezählt haben, sind das die Dinge, die man Pavlov vorwerfen kann?
Craig Streu: Nein, das ist ja das Dumme an der Sache. Igor hat mit uns geredet und professionell gearbeitet. Da gibt es keinen Vorwurf. Nur die Ergebnisse, tja, die stimmten nicht.

EH-News: Als potzenzieller Pavlov-Nachfolger werden auch Sie gehandelt. Könnten Sie sich vorstellen, das Amt sofort zu übernehmen?
Craig Streu: Ich weiß gar nicht, ob das von den Statuten her möglich ist. Es wäre auf jeden Fall eine große Herausforderung. Aber eigentlich fühle ich mich als Spieler ganz wohl und kann mir vorstellen, noch eine weitere Saison dranzuhängen. Ich liebe den Sport, ich liebe Eishockey.

EH-News: Man kann Ihren Worten entnehmen, dass Sie nicht abgeneigt wären, den Trainerposten zu bekleiden.
Craig Streu: Sicherlich kribbelt es. Aber noch gab es keine Gespräche. Ich habe mich auch nicht beworben.

Matthias Berlinke

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