Igor Pavlov schießt sich ins Abseits

Bremerhaven. Zwei Mal in Folge (2005 und 2006) holte Igor Pavlov den von der Eishockey-News ausgelobten Titel “Trainer des Jahres”. Der Russe gewann als Verfechter einer konsequenten Nachwuchsförderung vielerorts Sympathien. Er ließ modernes, herzerfrischendes Eishockey spielen und verkörperte in der Außendarstellung einen wahren Gentleman. Doch in dieser Saison zeigt der Coach der Fischtown Pinguins ein völlig anderes Gesicht. Der 42-Jährige verliert in der Öffentlichkeit kaum ein gutes Wort über seine Mannschaft und nutzt praktisch jede Gelegenheit aus, um auf sein Team einzuprügeln.


Langsam droht das Fass überzulaufen.
Das Management der Pinguins – an vorderster Front Geschäftsführer Hans-Werner Busch – steht zwar geschlossen zum Trainer. Doch muss wohl in den vorangegangenen Satz das Wörtchen “noch” eingefügt werden. Denn hinter den Kulissen beginnt es zu rumoren. Schon nach der 4:6-Niederlage am vierten Spieltag gegen Heilbronn, als Pavlov in der Pressekonferenz seine Spieler, insbesondere Alexander Janzen und Marian Dejdar, auf derbe Weise beschimpft hatte, zitierte Busch den sportlichen Leiter zu einer Aussprache Über Ergebnisse schwiegen sich beide Parteien in der Öffentlichkeit aus, doch fiel auf, dass sich Pavlov in den nächsten Spielen etwas zurücknahm. Spätestens nach dem Heimspiel gegen die Schwenninger Wildwings (3:4) gab es einen Rückfall. Pavlov griff seine Stürmer Darin Olver und Marvin Tepper an. Olver würde vorne keine Tore schießen, dafür durch sein mangelhaftes Defensivverhalten immer wieder welche verschulden. Und Tepper fehle es immer noch an der erforderlichen Einstellung, sagte Pavlov in die Mikrofone der Reporter. Viele Fans und Experten schüttelten angesichts dieser Schelte nur mit dem Kopf, gehört doch Olver mit seinen zahlreichen Scorerpunkten und seinem nimmermüden Einsatz zu den Aktivposten im Team. Der technisch starke Tepper wiederum wurde seiner Stärke beraubt, weil ihm spielstarke Mitspieler an seiner Seite fehlen und er größtenteils mit Wasserträgern wie Stephan Kraft auflief, die ihn nicht wie gewünscht in Szene setzen konnten.Allein in der vergangenen Woche sorgte Pavlov wieder zwei Mal für Gesprächsstoff. Nach dem tollen Auftritt im Pokal gegen Ingolstadt, der mit einer knappen Niederlage nach Penaltyschießen endete, spendete der Trainer kein lobendes Wort in Richtung seiner Mannschaft. Stattdessen beschwerte er sich wieder einmal über das schlechte Powerplay seines Teams, das mitverantwortlich für das Pokalaus gewesen sei. Dass die Pinguins 65 Minuten lang mit Leidenschaft und zum Umfallen gekämpft hatten, blieb unerwähnt.Nach dem für die Moral wichtigen 3:1-Sieg in Crimmitschau stellte sich Pavlov erneut nicht hinter seine Mannschaft. Der Russe sprach von Regionalliganiveau und Wodka, den er zur Spielanalyse benötigen würde.

Auch intern – so wird aus Kabinenkreisen berichtet – lässt Pavlov immer wieder den verbalen Hammer kreisen. Vertrauensfördernd dürften solche Maßnahmen nicht wirken. Es scheint bereits eine Kluft zwischen Trainer und Mannschaft zu geben. Pavlov isoliert sich immer mehr. Es bleibt abzuwarten, ob das Management nicht doch irgendwann die Reißleine ziehen muss.
Matthias Berlinke

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2 Responses to “Igor Pavlov schießt sich ins Abseits”


  1. 1 Ekkardt Motz März 5, 2010 um 10:11 vormittags

    Mit Sicherheit eine wichtige These. Ich hoffe, der Blog bleibt an der Geschichte dran?! Im Bekanntenkreis vergeht keine Party, wo das nicht Gesprächsthema ist. Vielen Dank, Ekkardt Motz

  2. 2 Angel Februar 1, 2011 um 6:19 nachmittags

    …und jetzt ist er auch in die schweiz gekommen :-) viel erfolg bei den lakers, igor!


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